Einmalig

22. November 2016

Eine führte eine Gaststätte.

Einer schreinerte Stühle.

Eine schneiderte Nelken.

Einer sagte: „Geht nicht gibt’s nicht.“

Eine gewann regelmäßig den Blumenschmuckwettbewerb.

Eine mochte es mediterran im Garten.

Eine genoss das gemeinsame Kaffeetrinken.

Eine servierte Dampfnudeln und angebratene Paprika.

Eine kochte für ihre Fußballer-Männer.

Eine war mit Walking-Stöcken unterwegs.

Eine reiste mit Auto, Wohnwagen und Boot.

Einer schrieb seine Motorrad-Kilometer auf.

Eine kochte auch für die Katzen mit.

Eine nahm verletzte Tiere bei sich auf.

Eine küsste ihren Mann schon mit 15.

Eine traf regelmäßig Landesminister.

Eine liebte den geschmückten Christbaum.

Eine leitete Bibelstunden.

Eine war katholisch und lebte evangelisch.

Eine wurde 101.

Eine bekam Briefe mit ins Grab.

Manche machten sich keine Sorgen. Manche hatten Angst.

Manche waren alt und lebenssatt. Manche hatten noch viel vor.

Manche verabschiedeten sich. Manche gingen einfach so.

Sie alle waren und sind geliebt.

Sie alle waren und sind einmalig.

Impuls zu den Verstorbenen aus dem vergangenen Kirchenjahr, vorgetragen im Gottesdienst am Sonntag, 20. November 2016 – Ewigkeitssonntag – um 10.00 Uhr in der Peterskirche Murr.

… inspiriert durch Birgit Mattausch und Simon de Vries – danke!

Plakativer Dialog

3. November 2016

… neulich in der S-Bahn, von Wand zu Wand.

Willkommen

17. September 2016

Was genau macht die Gottesdienste einer Kirchengemeinde einladend? Ist das eine Frage von »technischen« Details oder eher von Atmosphäre und Haltung? In der Protestantse Gemeente (te) Enkhuizen stimmt(e) jedenfalls beides.

Die Internetseite verriet ziemlich unkompliziert Termine und Uhrzeiten, über einen kleinen Umweg ließ sich auch der Ort herausfinden. Beide Informationen hätte uns auch der große Schaukasten vor der Zuiderkerk präsentiert (zum Vergleich: rund um die Kirche im Ort unserer Ferienunterkunft gab es dieses Medium nicht einmal …).

Natürlich kamen wir trotzdem ein, zwei Minuten zu spät. Und wurden trotzdem ebenso wertschätzend wie unaufgeregt wahrgenommen. Mit Gesangbüchern und – pünktlich zur Predigt – einem komplett ausgestatteten Kinder-Maltisch versorgt. Anschließend auch bei Kaffee und Keksen willkommen geheißen. Und das nicht nur von Schlüsselpersonen wie Pfarrer oder Mesnerin, sondern eben auch von »ganz normalen« Christenmenschen.

Dass Niederländisch und Deutsch so ähnlich klingen, hat die Verständigung zusätzlich leicht(er) gemacht, keine Frage. Aber da war gewiss auch der Heilige Geist in Bestform. Der genügend Raum hat(te) in der Enkhuizener Zuiderkerk.

Echter Schmerz

19. August 2016

Für unsereins:
Eine Plastik-Robbe.
(Genau genommen ein Seelöwe.)
Marke Schleich.
5 Euro 99, höchstens.
Hart und kantig, so gar kein Kuscheltier.

Für dich:
Deine Robbe.
Gesprächspartner.
Geliebtes Geschöpf.

Überall mit dabei.
Nachts im Bett.
Tags mit am Tisch.
Unterwegs im Auto.

Auch an diesem einen Donnerstag gestern in der großen Stadt.
Mit unterwegs, deine Robbe.
Einige Momente lang vergessen.
Aus dem Buggy gerutscht (so unsere einzige Erklärung).
Beim Zurückgehen nicht mehr gefunden.
Verloren, für uns und dich.

Am Abend im Bett,
mit leerer Hand
bricht die Erkenntnis durch.
Kommen dir die Tränen.
„Meine Robbe!“, schluchzt es in dir.
Und ich spüre den Schmerz.
Tief in dir und tief in mir.
Weine mit.
Halte dich, so gut ich kann.
Bis du schläfst.

So muss Gott weinen über das Verlorene.
Bevor er losgeht und es wiederfindet, im Gleichnis.
Das Leben ist kein Gleichnis.
Im Moment jedenfalls nicht.
Für uns bleibt sie verloren, deine Robbe.

Da hilft keine unserer fixen Ideen.
Nicht die Behauptung, es gehe ihr gut, deiner Robbe. (Tut es das?)
Nicht das andere Tier, dir in die Hand gedrückt. (Es bleibt ein anderes.)
Nicht der versprochene Ersatz aus dem Spielzeugladen. (Zu billig für dich und uns.)

Es bleibt die Hoffnung, dass selbst sie zu seiner Schöpfung gehört.
Dass auch sie nicht zu klein ist für Gott.
Deine Robbe.
Dass er deinen Schmerz spürt, und meinen.
Mit dir weint und mit mir weint.
Uns hält, so gut nur er es kann.
Wenn wir schlafen und wachen.

Und dass er losgeht eines nahen Tages.
Und sie wiederfindet.
Mit allem anderen, was uns wichtig war und ist.
Und dich und mich.

Überraschende Wendungen

21. Juli 2016

… wie hatte ich das vermisst!

Pappkamerad

18. Mai 2016

Ich habe ständig gehört: »Natürlich musst du gewiss sein, dass es diesen Gott gibt. Und zwar erzähle ich dir ganz kurz, wie der ist.« Und dann wurde eine zweidimensionale Person aufgebaut, die ganz von menschlichen Überlegungen und Gedankenkonstrukten zusammengetackert wurde. Ich habe gemerkt, dass viele meiner Fragen und Zweifel aus einem falschen Gottesbild entstanden sind. Und übrigens auch aus einem aus meiner Sicht falschen Schriftverständnis.

… eine erste Passage aus Thorsten Hebels großartigem Buch »Freischwimmer« (verfasst im Dialog mit Daniel Schneider und vielen weiteren Personen, hier zum Beispiel: Andreas Malessa). Gut möglich, dass ich noch häufiger daraus zitiere in nächster Zeit.

Schaurige Spedition

30. April 2016

… da gilt nun wirklich nur die Fremdsprache als Entschuldigung.

Hineingezwungen

25. März 2016

Er kommt gerade vom Feld. War arbeiten. Hat Geld verdient. Ganz normaler Alltag.

Jetzt freut er sich auf zu Hause. Auf den Feierabend. Auf seine Söhne, Alexander und Rufus.

… und eigentlich geht er nur vorüber. Vorüber an diesem Jesus, der nach der Folter schon halbtot ist. Zwei Welten.

Er kommt gerade von der Nachtschicht. War arbeiten. Hat Geld verdient. Ganz normaler Alltag.

Jetzt freut er sich auf zu Hause. Auf seinen Feierabend. Auf seine Söhne. Oder Töchter. Vielleicht hat er auch keine Familie.

Er fährt mit der Metro in Brüssel, vor drei Tagen. Fährt vorüber am Krankenhaus. Am Friedhof. Wo gelitten und gestorben wird. Er geht zur nächsten Tür, vorüber an einer alten Frau – die sitzt da, gebückt, vom Leid gezeichnet. Zwei Welten.

Der Zug hält. Innenstadt, Station Maalbeek. 9:11 Uhr.

Und sie zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.

Ausgereizte Regeln

21. Februar 2016

Irgendwann während der vierten oder fünften Klasse stieß ich in einer Zweigstelle unserer Ortsbücherei auf ein Buch mit den Fußball-Regeln. Das ebenso kindgerecht wie detailverliebt daherkam. Seitdem weiß ich: Schlägt ein Einwechselspieler den ins Tor rollenden Ball weg, wird mit indirektem Freistoß fortgesetzt. Oder: Landet ein direkter Freistoß ohne weitere Berührung im eigenen Tor, bekommt die gegnerische Mannschaft einen Eckstoß.

… oder: Ein Strafstoß darf auch indirekt ausgeführt werden, so lange der Ball nach vorne gespielt wird.

Seitdem fragte ich mich, warum das nicht regelmäßig passiert. Weil die Trefferquote dann ja (mit in aller Regel am Boden liegendem Torwart) noch deutlich höher liegen dürfte als bei der herkömmlichen Direktschuss-Praxis.

Ich wartete vergeblich. Und Johan Cruyffs legendäre Variante aus meinem Geburtsjahr 1982 kannte ich nicht …

Dann, endlich, kamen vor einigen Tagen Lionel Messi und Luis Suárez:

Dass daraus eine Debatte entstehen würde, hatte ich erwartet. Nicht aber, dass die sich vorrangig um das Thema (Un-)Sportlichkeit drehen würde. Es heißt ja zu Recht immer wieder, dass Fußball auch was für den Kopf ist. Und dazu gehört aus meiner Sicht auch, Wissens-Lücken im Blick auf die Regeln zu nutzen. (Beziehungsweise: Bei der Verteidigung eines Elfmeters in Zukunft schneller selbst Richtung Ball zu rennen – das dürfte ja ein probates Gegenmittel sein.)

Zweifelhafter Beruf?

1. Februar 2016

»Im Zweifel« – ein Pfarrer(innen)-Film, der mir im Gedächtnis bleiben wird. Nicht so sehr wegen der unvermeidlichen Praxis-Fehler, zumal die sich in Grenzen halten (Kollegin segnet ohne liturgische Handhaltung, Gregorianik und »Ave Maria« erklingen ausgerechnet in evangelischer Kirche etc.). Sondern wegen der vielen heiklen pastoraltheologischen Themen, die hier inszeniert werden: Gefragt-Sein und Einsamkeit. Berufung und Karriere. Glaub-Würdigkeit. Leben im überdimensionierten Pfarrhaus. »Pfarrers Kinder …«

»Im Zweifel« – Anti-Werbung für den Pfarrberuf? Oder liegt da vielleicht gerade der Reiz?!

»Im Zweifel«. Noch bis Samstag kann man den Streifen schauen, immer ab 20.00 Uhr.